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Missbrauchsopfer klagt Jesuiten und Lehrer an PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: BrAd   
Mittwoch, den 14. Mai 2014 um 21:54 Uhr

Wien: Das Kollegium Kalksburg unter Beschuss. Ein ehemaliger Schüler erhebt schwerwiegende Vorwürfe gegen das ehemalige Elite-Internat des Papst-Ordens. Wo viel Licht und Glanz, da auch viel Schatten. Einige Absolventen des ehemaligen Jesuiten-Internats empfinden das  Attribut „unbefleckt“ wohl  eher als Hohn, denn als Ehre. Einer von ihnen hat nun eine Zivilklage eingereicht – gegen einen ehemaligen Erzieher des Internats, der ihn über Jahre hinweg sexuell missbraucht haben soll, und gegen den Jesuiten-Orden, der den Mann beschäftigt hatte.

Weitere – darunter auch prominente – Zeitzeugen aus den 1980er-Jahren berichten von sexueller Belästigung durch den heute 56-jährigen Mann. Dieser hat beruflich nach wie vor mit Kindern zu tun. Er unterrichtet seit 1988 als Lehrer in einem öffentlichen Gymnasium in Wien. Der Kläger und ehemalige Zögling, heute 44 Jahre alt, fordert: Dieser Mann müsse von Kindern ferngehalten werden. „Ich wurde von S. (Name der Redaktion bekannt, Anm.) in den Anfangsjahren in Kalksburg mehrere Male und wiederholt sexuell missbraucht“, sagt der 44-Jährige, der 1988 maturiert hat.
Grauslich ausgenützt

Er sei damals jäh aus dem Familienleben gerissen worden, erinnert er sich  an seine erste Zeit im Kollegium Kalksburg. „Wenn man plötzlich von den Eltern wegkommt, geht es um Zuneigung und Geborgenheit. Das ist von S. grauslich ausgenützt worden.“ Der Missbrauch soll etwa in den Jahren 1982 bis 1984 geschehen sein; zwischen dem elften und dreizehnten Lebensjahr.

S., für den die Unschuldsvermutung gilt,  war damals Student und arbeitete im Internat als Nachtpräfekt, hatte also während der Nachtstunden die Aufsicht über die im Internat lebenden Burschen. „Er hatte sein eigenes Zimmer mit einem Schlafsack statt Bettzeug“, erinnert sich der ehemalige Zögling. „Dort kam es zu den sexuellen Übergriffen.“ Dort sei er von S. missbraucht worden.
Verdrängung

Die Erinnerung an das Geschehene habe er über Jahre hinweg verdrängt. Erst vor etwas mehr als einem Jahr im Zuge einer Psychotherapie sei ihm der Missbrauch durch den Nachtpräfekten wieder ins Bewusstsein  gerufen worden; rund 30 Jahre nach den Vorfällen. Dies sei keineswegs ungewöhnlich, sagt die Trauma-Expertin Sandra Gerö: „Gerade beim sexuellen Missbrauch ist es schwierig, darüber zu sprechen.  Oft kommt die Erinnerung in ihrer ganzen Tragweite erst dann zurück, wenn man psychisch stabil genug ist, sich damit auseinanderzusetzen.“ (Siehe unten)

Der ehemalige Schüler, der seit Jahren für einen internationalen Konzern tätig ist, hat auf eigene Faust recherchiert und herausgefunden, dass S. nicht nur Lokalpolitiker in Niederösterreich ist, sondern mittlerweile als Lehrer in einem Gymnasium in Wien tätig ist. Da habe er sich zum Handeln und zur Zivilklage entschlossen. „Ich bin ja selbst Vater. Es gibt eine Verantwortung den Kindern gegenüber, dass man verhindert, dass solche Leute wie S. sie unterrichten.“
Schadenersatz

Aber er klagt auch den Jesuiten-Orden, dem immerhin auch der Papst angehört. „Ich sehe bei den Jesuiten eine große Verantwortung, die nicht wahrgenommen wurde.“ Sein Anwalt Johannes Öhlböck fordert Schadenersatz sowie die Feststellung, dass die Beklagten für künftige Therapiekosten aufkommen müssen. Die dreijährige Verjährungsfrist sieht Öhlböck gelassen. Durch die Traumatisierung könne sich sein Mandant erst seit etwa einem Jahr an die Vorfälle erinnern. Daher, so seine Auffassung, beginne die Verjährungsfrist auch erst ab diesem Zeitraum. Die erste Verhandlung ist für 4. Juni anberaumt.
Stellungnahme der Jesuiten

Gernot Wisser, Provinzial der österreichischen Jesuiten, stellt klar: „Sexuelle Übergriffe und Missbrauch wo und von wem auch immer sind zu verurteilen und durch nichts zu rechtfertigen.“ Zum laufenden Verfahren wolle er keine Stellungnahme abgeben. „Um die Vorwürfe zu klären, gibt es ja das Gerichtsverfahren.“ Er bedauert aber, dass der Kläger nicht zuvor das Gespräch mit dem Orden gesucht hat.

Quelle: Kurier at

Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den 14. Mai 2014 um 21:56 Uhr
 
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