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Anwalt will Opfern Pension verschaffen PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: JK   
Montag, den 06. August 2012 um 07:15 Uhr

Immer mehr ehemalige Heimkinder erheben Ansprüche nach den Verbrechens­opfergesetz.

Er kämpft für Tierschutz, hat den Papst geklagt und eröffnete Heimkindern eine neue Möglichkeit, Entschädigungen zu bekommen: Der deutsche Anwalt Christian Sailer, 76, wird mit Anfragen aus Österreich überhäuft.

Der Jurist hat für die 68-jährige Heike K. (Name von der Redaktion geändert) eine staatliche Pension nach dem Verbrechensopfergesetz (VOG) erwirkt (siehe http://www.top-aktuelles.de/index.php?option=com_content&view=article&id=74:heimkind-erkaempft-erste-opferrente&catid=35:kinderheim-a&Itemid=55  ). Das österreichische Bundessozialamt sieht es als erwiesen an, dass unter anderem sexueller Missbrauch im Tiroler Kinderheim St. Martin Grund für die spätere Berufsunfähigkeit Heike K.s war. Sie bekommt nun ein Vielfaches ihrer nur rund 260 Euro betragenden Pension vom Staat ausgezahlt.


Jetzt hat Rechtsanwalt Sailer den nächsten Pensionsantrag nach dem Verbrechensopfergesetz eingereicht. Wieder für ein ehemaliges Tiroler Heimkind. "Den Antrag von Frau Claudia K. habe ich am 31. Juli abgeschickt", sagt Sailer.

Claudia K., 47:  "Ich bin in den Heimen Scharnitz und St. Martin vergewaltigt worden." Zwei Klosterschwestern hätten sich im ersten, ein Hausarbeiter im zweiten Heim an ihr vergangen. Über die gefängnisähnlichen Zustände samt Einzelhaft im "Karzer" von St. Martin und Zwangsarbeit wurde bereits berichtet.

Heute erhält Claudia K. eine kleine Invaliditätspension. "Ich schaffe keinen Job." Sie war medikamentenabhängig. "Frau K. entwickelte eine Reihe von psychischen Störungen und psychosomatischen Erkrankungen, die, wie bereits erwähnt, in der Zeit ihrer Heimaufenthalte ihren Ursprung haben", heißt es im klinisch-psychologischen Kurzbericht der Psychotherapeutin Ulrike Paul. Anwalt Sailer sieht "gute Chancen, dass Frau Claudia K. die Pension durch das Bundessozialamt zuerkannt wird".

Einen weiteren Pensionsantrag nach dem VOG will er demnächst für den Tiroler Christian D. einreichen. Ihm werden u. a. "Anpassungsstörung", "posttraumatische Belastungsstörung" und "Depressionen" attestiert. Alkohol- und Drogenmissbrauch habe er überwunden, sagt Christian D., "aber ich habe noch immer schlaflose Nächte und Albträume". Auch er sei in Tiroler Heimen als Bub sexuell missbraucht und misshandelt worden. Neben der Pension überlegt D., das Land Tirol "auf Schmerzensgeld zu klagen".

Im Bundessozialamt sind  über die erste Verbrechensopferpension für ein ehemaliges Heimkind 15 der­artige Anträge eingegangen. Weitere werden wohl folgen, weil nun auch die Verbrechensopfer-Organisation Weisser Ring ihre Klienten auf die Möglichkeit hinweisen will. Auch der Wiener Opferanwalt Johannes Öhlböck hat "15 bis 20 ehemalige Heimkinder über diese Möglichkeit informiert".
Quelle: Kurier

 

Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, den 30. August 2012 um 22:06 Uhr
 
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